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Geschichte

 
Gründung und Entwicklung des Vereines
 
Aus der „Mitteilung des vorarlbergerischen Landwirtschaftsvereines an seine Mitglieder“ Nr. 454 vom April 1907 ist zu entnehmen, dass „der Obstbauklub“ nach dem von Franz Dieterle, Handelsgärtner in Feldkirch, am 10, 11 und 12. April, in Nüziders abgehalten Obstbaukurs gegründet wurde.
 
Die letzte Zusammenkunft der Kursteilnehmern gestaltete sich zu einer sehr animierten Versammlung, sodass sich sämtliche 25 Teilnehmer auf Anregung des Kursleiters entschlossen, einen Obstbauklub zu gründen und erklärten, als Mitglieder demselben beizutreten; hierauf wurde sofort zur Gründung geschritten.Die leitenden Funktionäre, Vorstand, Schriftführer und Kassier sind: Herr Gemeinderat Peter Burtscher Vorstand, Schriftführer Herr Oberlehrer Gunz und Kassierer Herr Anton (Johann) Burtscher.
 
Am 05.05.1907 fand die erste Ausschusssitzung des Obstbauklubs statt, bei der der Termin und die Tagesordnung für die erste Versammlung festgesetzt wurde.
 
In der 1. Vollversammlung am 20. Mai 1907 im Gasthaus Bad Sonnenberg wurden die erstellten Satzungen des Vereines verlesen, besprochen und - wo notwendig - gleich geändert.
 
Im Paragraph I findet der neu gegründete Verein seinen Namen, den man aber in weiteren Protokollen kaum mehr findet. Die Gesellschaft nennt sich „Freie Vereinigung der Obstbaufreunde in Nüziders“. Die weiteren Paragraphen behandeln den Zweck der Gesellschaft, die Vereinsleitung und deren Zusammensetzung sowie die eventuelle Auflösung der Gesellschaft.
 
Der in der Gründerversammlung am 12. April 1907 provisorisch gewählte Vorstand, Schriftführer sowie Kassier wird bestätigt, zusätzlich wird als Vorstandsstellvertreter Herr Anton Wolf, sowie die Herren Christian Bickel, Anton Zech und Anton Moosbrugger als Beiräte gewählt. Somit stand der Führung des Obstbauklubs nichts mehr im Wege. Der überwiegende Zweck des Vereins war die Hebung und Pflege des Obstbaues, die Belehrung der Mitglieder in Art von Vorträgen, gegenseitigen Besprechungen in Versammlungen und Durchführung von Exkursionen, die Anschaffung von Obstbäumen und Obstbaugeräten, sowie die Bekämpfung von Obstbaumschädlingen.
 
In den zahlreichen Monatsversammlungen wurden Fachzeitschriften besprochen und Erfahrungen ausgetauscht. Jedoch muss der eifrige Besuch bald nachgelassen haben, denn schon in der Versammlung vom 2. Februar 1909 wurde für unentschuldigtes Fehlen ein Strafgeld von 10 Heller für Mitglieder, für Ausschussmitglieder ein solches von 20 Heller beschlossen. Die anfänglichen Monatsversammlungen flauten allmählich ab und gingen schließlich zu einer Jahreshauptversammlung über. In den ersten 30 Jahren des Vereinsbestehens wurden insgesamt 1.282 Obstbäume angekauft, was einen Durchschnitt von 44 Bäumen pro Jahr ausmacht.
Auch für die Baumpflege gibt es Aufzeichnungen, wie früher Baumwachs hergestellt wurde.
Rezept für Baumwachs
Aus dem Kriegsjahr 1914Von Frei Leo Schriftführer Zum anmachen des Baumwachses nimmt man 1/3 gereinigtes Harz 1/3 Bienenwachs1/3 Schweinefett. Diese 3 Teile lässt man flüssig werden, alsdann rührt man alles gut durcheinander, somit ist das Baumwachs fertig.
 
Dass der Verein schon zu Beginn auch an die Gaumenfreuden dachte zeigt ein Rezept aus dem Jahr 1907 zur Erzeugung von Holunderwein.
 
Rezept für Holunderwein vom 15.09.1907
12½ kg abgezupfte Beeren werden zerdrückt und die Maische mit 100 Liter Wasser in ein Fass getan, gerade so wie beim Einsperren der Trester und des Obstes zum Branntweinbrennen. Gleichzeitig werden 20 kg Hutzucker und 5 kg große Rosinen ins Fass gebracht und unten am Fass ein Hahn angebracht. Durch die stattfindende Gärung steigt die Masse in die Höhe; diese wird all-täglich umgerührt und niedergedrückt. Nach vollendeter Gärung, nach etwa 8 bis 14 Tagen - die Witterung spielt hierbei eine bedeutende Rolle - wird der Wein unten durch den angebrachten Hahn abgezogen und derselbe mit 250 Gramm kristallisierter Weinsteinsäure versetzt, die vorher aber in heißem Wasser gelöst wird. Der zurückgebliebene Trester wird nun mit 20 bis 25 Liter Wasser übergossen und später  (1 bis 2 Tage) abgepresst. Da im Fass eine Nachgärung erfolgt, wird ein Gärtrichter aufgesetzt. Holunderwein ist doch was anderes als Kunstmost!  
Nachdem während des Krieges alle Hausbrennereien eingezogen wurden entstand der Wunsch eine eigene Brennerei anzuschaffen. Im November 1921 beschloss der Verein den Ankauf einer 2-rädrigen fahrbaren Brennerei mit Kippofen, an welcher dann fast alle Obstbaumbesitzer Anteile genommen und mit welcher bis zum Jahre 1934 gebrannt wurde. Am Ende des Jahres 1934 wurde dann von den Brennereimitgliedern eine neue 3-rädrige Wasserbadbrennerei gekauft. Was nun die Bekämpfung der Obstbauschädlinge anbetrifft, so wurde schon im Gründungsjahr 1907 von Franz Dieterle aus Feldkirch eine Baumspritze gekauft. Diese war jedoch nur für Buschbäume und Zwetschkenbäume geeignet. Im Jahre 1926 wurde dann eine Rückenspritze mit Hebelpumpe angeschafft Diese Spritze hatte wohl 21½ L Füllraum, konnte aber den Hochdruckspritzen nicht entsprechen, so wurde im Jahre 1932 dann auf Anregung mehrerer Mitglieder eine damals neuzeitliche, selbsttätige Hochdruckspritze, mit einem 5 m Bambusrohr angekauft. Damit konnten alle Hochstämme gespritzt werden. Diese Hochdruckspritze wurde dann im Jahr 1937 wieder verkauft. Heute verfügt der Verein über eine Vielzahl verschiedener Geräte, welche den Mitgliedern günstig zur Verwendung angeboten werden.   Im September 1938 wurde in Nüziders eine Baumzählung durchgeführt. Das Ergebnis: 3.121 Apfelbäume Hoch-, Halbstamm und Spalier, 2.411 Birnenbäume, 1.136 Steinobstbäume, 195 Nuss- und Kastanienbäume und 532 Stück Beerensträuchern. Wenn man sich Nüziders heute anschaut, muss leider festgestellt werden, dass der Baumbestand stark zurückgegangen ist.   Am 20. Oktober 1938 verfällt der Obstbauclub aufgrund eines von der Landesbauernschaft Alpenland in Salzburg gestellten Ultimatums der Auflösung. Die Brennerei kann unbeschadet weitergeführt werden und wird in eine Brennereigenossenschaft umgewandelt.   Nach dem 2. Weltkrieg nahm der Verein 1946 seine Tätigkeit wieder auf. Er informierte seine Mitglieder durch die Zustellung von Rundschreiben über die Aktivitäten und Arbeiten des Vereines. Bei den Obstsorten und Baumschnitttechniken hat sich der Verein in dieser Zeit stark an den Methoden unserer Schweizer Nachbarn orientiert. Lag das Hauptaugenmerk des Vereines ursprünglich auf dem Obstbau zur Schnapsgewinnung wurde nach der Trennung der Vereine Obstbau und Brennerei vermehrtes Augenmerk auf die Zubereitung von Süßmost gelegt.   Zum 50-Jahrjubiläum 1957 erhielt der Verein eine Ehrentafel des Präsidiums der Landwirtschaftskammer.
 

 

 

Ab 1958 wurden wieder vermehrt Ausschusssitzungen, Exkursionen und Kurse durchgeführt. Im Protokoll vom 14.03.1960 taucht erstmals der Name „Obst- und Gartenbauverein Sonnenberg Nüziders“ auf, unter welchem unser Verein bis zur Statutenänderung im Jahr 1999 bekannt war. Seit diesem Zeitpunkt wird der Verein offiziell unter dem Namen „Obst- und Gartenbauverein Nüziders“ geführt.
 
2002 wurde das Vereinsgesetz geändert. Eine erneute Anpassung war nötig. Diese führten wir 2004 durch. Heute haben wir Statuten, die der heutige Zeit entsprechen.
 
Im Jahr 1987 beging der Verein sein 80-Jahrjubiläum mit der Ausrichtung der Jahreshauptversammlung für den Landesverband, sowie einer großen Erntedankfeier, mit einem großen Festumzug. Auch eine Festschrift wurde verfasst.
 
Von 1987 bis heute hat sich der Verein sehr gut entwickelt. Die Vielzahl der angebotenen Kurse, Exkursionen, Rundschreiben mit Tipps und Tricks für den Obstbau und die Gartenarbeiten zeigen, dass die Vereinsleitung stets bemüht ist, den Mitgliedern in allen möglichen Bereichen der Garten- und Landschaftspflege Hilfestellung anzubieten.